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Ist Diabetes heilbar?



Wer Diabetes Typ I hat, muss täglich den Blutzucker überwachen und sich Insulin spritzen. Diese Stoffwechselerkrankung gehört in Deutschland zu den häufigsten bei Kindern und bricht oft schon im Alter von zwei Jahren aus. Dann zerstört das Immunsystem die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulinproduktion verantwortlich sind, die sogenannten Langerhansschen Inseln. Heilbar ist Diabetes Mellitus Typ I noch nicht. Forscher am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden, kurz CRTD, untersuchen, wie der Ausbruch der Krankheit verzögert oder ganz aufgehalten werden kann.

Im Rahmen einer internationalen Studie sind sie dabei mit vielen weiteren Experten vernetzt. Am Institut für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München werden die Kinder, die an der sogenannten Pre-Point Studie teilnehmen, regelmäßig untersucht. Sie tragen ein hohes Risiko für Diabetes in sich, das Immunsystem hat aber noch keine Antikörper gegen die Insulin produzierenden Zellen gebildet.

O-Ton Dr. Miriam Krasmann, Institut für Diabetesforschung Helmholtz-Zentrum München

In der PrePoint-Studie nehmen Kinder teil, die einen erstgradig verwandten mit Typ-I-Diabetes haben. Diese Kinder haben ein ungefähres Erkrankungsrisiko zwischen 20 und 50 Prozent. Wir wollen mit der Studie untersuchen, ob man den Ausbruch der Erkrankung bei diesen Kindern verzögern bzw. verhindern kann.
Die Studie hat bereits gezeigt, dass das mit einer Art Insulin-Impfung gelingen kann. Die Daten gehen nach Dresden zu Ezio Bonifacio. Er ist der Sprecher der Studie und leitet am CRTD eine Forschungsgruppe für regenerative Diabetes-Therapien.

O-Ton Ezio Bonifacio, Leiter ForschungsgruppePräklinische Stammzelltherapie / Diabetes

Wir haben herausgefunden, dass bei Kindern, die Diabetes entwickeln, das Immunsystem Insulin als fremd ansieht. Deshalb zerstört das Immunsystem die Zellen, die das Insulin produzieren. Unser Ziel ist es, dem Immunsystem beizubringen, Insulin nicht als Feind zu sehen. Dazu wird der Körper, wie bei einer Allergie-Behandlung, behutsam an den Stoff gewöhnt.

Die Kinder können das Insulin durch den Mund mit der Nahrung oder durch die Nase zu sich nehmen. Nun muss untersucht werden, welche Einnahmeart die beste ist und welche Dosis an Insulin gebraucht wird, um die Immunreaktion abzuwenden und den Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

O-Ton Ezio Bonifacio, Leiter ForschungsgruppePräklinische Stammzelltherapie / Diabetes

Wir wollen nicht das komplette Immunsystem stören, aber eine gezielte Therapie entwickeln, um die Reaktion gegen Insulin zu verhindern. Das Immunsystem weiß, dass durch den Mund oder die Nase aufgenommene Stoffe nicht angegriffen werden. Wir wollen das nutzen. Unsere Studie hat gezeigt, dass auch hohe Dosen sicher sind. Das ist super. Jetzt untersuchen wir, ob das Immunsystem wirklich gelernt hat, Insulin nicht anzugreifen.

Diese Arbeit findet im Labor statt. Karsten Kretschmer ist Leiter der Forschungsgruppe zu Immuntoleranz bei Regeneration und Transplantation. Er und seine Mitarbeiter haben sogenannte regulatorische T-Zellen im Blick.

O-Ton Karsten Kretschmer, Forschungsgruppe Immuntoleranz bei Regeneration und Transplantation

Regulatorische T-Zellen sind wichtige Zellen des Immunsystems, die in der Lage sind, die Aktivität anderer Immunzellen zu unterdrücken. Unsere früheren Studien konnten zeigen, dass die Verabreichung von Insulin in präklinischen Mausmodellen für Typ-I-Diabetes zur Neubildung von regulatorischen T-Zellen führen kann und somit zur Unterdrückung der Autoimmunität gegen pankreatische Betazellen. Zur Zeit arbeiten wir an der Steigerung der Effizienz die ses Impfansatzes.

Um zu klären, wie das Absterben der Insulin produzierenden Zellen verhindert werden kann, muss auch noch mehr über die Langerhansschen Inselzellen in Erfahrung gebracht werden. Stephan Speier leitet die Forschungsgruppe zur Regeneration von Inselzellen und wendet dabei eine einzigartige Methode an.

O-Ton Stephan Speier, Leiter Forschungsgruppe Regeneration von Inselzellen

Das Besondere ist, dass wir uns die Langerhansschen Inseln in der lebenden Maus anschauen, so dass wir über einen längeren Zeitraum hinweg in den Inseln die Zerstörung beobachten können bei dem Typ-I-Diabetes oder ggf. den Schutz von Therapieformen vor dieser Zerstörung beobachten können.

Das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden wurde 2006 als Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft gegründet und ist seitdem Exzellenzcluster der Technischen Universität Dresden.

Weitere Informationen:

Center for Regenerative Therapies Dresden - CRTD
Forschungsprojekt "DIAPREPP"
Forschungsprojekt "TREPPYD"
Forschungsprojekt "Regeneratives Potential von mesenchymalen Stromazellen (MSC)"
Forschungsprojekt "Primäre Immunintervention mit oralem/nasalem Insulin zur Prävention des Typ-1-Diabetes bei Kindern mit einem sehr hohen genetischen Diabetesrisiko - Die Pre-POINT (Primary Oral/intranasal Insulin Trial)-Studie"
Forschungsprojekt "Die Entwicklung von autoreaktiven Inselzellen in der Pathogenese und Vorbeugung von Typ-1-Diabetes"


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