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Wir nähen uns ein Auto - Technische Textilien



Die 200-jährige Erfolgsgeschichte der Nähmaschine ist bestechend. Was als Haushaltshilfe begann, hat längst Einzug in die Industrie und Wissenschaft gehalten. Ob mit Nadel und Faden, oder wie hier mit Ultraschall-Schweißtechnik für thermoplastische Materialien. Am Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik der TU Dresden werden innovative Technologien zur Herstellung von Textilien entwickelt. Dabei bedeutet Textil weit mehr als herkömmliche Bekleidung.

O-Ton: Prof. Dr. Hartmut Rödel, Inhaber der Professur für Konfektionstechnik TU Dresden

„Wir sind weniger für die Modeindustrie aktiv, unser Arbeitsgegenstände sind Arbeitsschutzkleidung, Sportausrüstungen textiler Natur, aber auch die Technischen Textilien, die wir im Bauwesen oder Leichtbau finden. Damit ist verbunden, dass man auch Materialien bearbeitet, die sonst in Bekleidung nicht vorkommen, das sind Glasfasern, Karbonfasern, es kommen hinzu die Aramide, die man für schussfeste Textilien benötigt.“

Die Bearbeitung derartiger Materialien erfordert den Einsatz angepasster Verarbeitungsverfahren. In einem ersten Schritt werden komplexe Bauteile unter Berücksichtigung von Materialeigenschaften mittels CAE-Technik am Computer entwickelt. Die Umsetzung erfolgt dann an einem speziellen Roboter, der das Nähen geometrischer Formen ermöglicht.

O-Ton: Dr. Claudia Herzberg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin ITM Dresden

„Das ist eine spezielle Nähmaschine, die für die Konfektionierung von Leichtbauteilen verwendet wird. Sie sehen hier, der Nähkopf ist an einen Roboter angebracht und näht nur von einer Seite, also die Fadenzuführung erfolgt nur von einer Seite. Er näht diese Verstärkungsstrukturen aus Glas und Polypropylen zusammen. Wenn diese Struktur dann fertig genäht ist, kommt sie in eine Hochleistungspresse, wird dort unter Hitze und Druck gepresst und es entsteht dieses Leichtbauteil, was im Fahrzeugbau Anwendung findet.“

Der Leichtbau mit textilverstärkten Werkstoffen bietet zahlreiche Vorteile gegenüber konventionellen Bauweisen. Das zeigt sich in reduziertem Gewicht bei gleichzeitig höherer Festigkeit. Dadurch können Betriebskosten gesenkt und auch Energieressourcen geschont werden.

O-Ton: Prof. Dr. Hartmut Rödel, Inhaber der Professur für Konfektionstechnik TU Dresden

„Die Technischen Textilien beeinflussen unser Leben in großer Breite, wir finden sie in den Automobilien, in den Flugzeugen, als Strukturbauteile, als Sitz, in Filtern, in textilverstärkte Baustoffe und wir haben die Option mit Textilien im Medizinbereich viel Gutes zu tun. Dazu kann ich Ihnen als eines der Beispiele ein Medizinprodukt angepasst an Körperformen und ausgestattet mit Elektroden zeigen. D.h., wir sind in der Lage durch Auflegen auf die Haut Elektroimpulse zu übertragen, die Muskelstimulation verursachen können, die durchblutungsfördernd wirken oder wenn wir die Elektroden so auflegen können wir natürlich auch Messströme abnehmen und entsprechend verwerten.“

Diese so genannten Smart Textiles gewinnen als neue Funktionsmaterialien zunehmend an Bedeutung und repräsentieren ein weiteres der vielschichtigen Forschungsfelder des Instituts, das an der TU Dresden seit über 85 Jahren besteht.


Weitere Informationen:

Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik
ZIM KF 2048905M9 "Entwicklung eines neuartigen Produktsystems THERA-TEX mit Signalübertragung zur Rehabilitation und Therapie (Knie, Unterarm)"
ZIM KF 2048912ULO "Cardio-Augmentation: Steigerung der Herzleistung durch externe, nichtinvasive Muskelkonterpulsation"
IGF 16417 BR "Fertigung fluiddichter Produkte"


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